Madeira gilt zu Recht als eines der schönsten Wanderziele Europas. Kaum eine andere Insel bietet auf so kleinem Raum eine derartige Vielfalt: Du wanderst entlang jahrhundertealter Wasserkanäle durch dichten Lorbeerwald, kletterst über luftige Bergkämme hinauf zu den höchsten Gipfeln und stehst schon eine Stunde später an einer kargen Vulkanküste. Das milde Klima macht das Wandern zudem ganzjährig möglich. In diesem Wanderführer stellen wir dir die schönsten Levada- und Bergwanderungen vor und geben dir praktische Tipps, damit deine Touren sicher und unvergesslich werden.
Was sind Levadas – und warum sind sie so besonders?
Levadas sind schmale, künstlich angelegte Bewässerungskanäle, die seit dem 15. Jahrhundert Wasser aus dem regenreichen Norden und dem Gebirge in den trockeneren, sonnigen Süden Madeiras leiten. Über 2.000 Kilometer dieser Kanäle durchziehen heute die ganze Insel, und entlang der meisten verlaufen schmale Wartungspfade, die zu wunderbaren Wanderwegen geworden sind. Weil die Levadas dem Verlauf der Hänge folgen, sind viele dieser Wege angenehm flach – und führen dennoch mitten hinein in spektakuläre Schluchten, zu versteckten Wasserfällen und durch den märchenhaften Laurisilva-Lorbeerwald, der zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt.
Die schönsten Levada- und Bergwanderungen auf Madeira
Levada das 25 Fontes (PR6)
Diese Wanderung im Hochland von Rabaçal gehört zu den beliebtesten der ganzen Insel – und das aus gutem Grund. Vom Startpunkt schlängelt sich der Weg gemächlich bergab bis zu einer idyllischen Lagune, die von unzähligen Quellen aus der Felswand gespeist wird – daher der Name „25 Quellen“. Die Landschaft ist üppig grün und wirkt fast tropisch. Gut kombinieren lässt sich die Tour mit dem nahegelegenen Risco-Wasserfall. Rechne für die rund 9 Kilometer hin und zurück mit etwa drei Stunden; der Weg ist mittelschwer.
Levada do Caldeirão Verde (PR9)
Vom historischen Forsthaus Queimadas bei Santana führt dieser eindrucksvolle Weg immer am Kanal entlang durch dichten, moosbewachsenen Lorbeerwald bis zum „Grünen Kessel“, einem hohen, in ein Felsrund stürzenden Wasserfall. Unterwegs passierst du mehrere in den Fels geschlagene Tunnel – eine Taschen- oder Stirnlampe ist hier unverzichtbar, und festes, wasserfestes Schuhwerk zahlt sich aus. Die Strecke ist mit rund sechs bis sieben Kilometern pro Richtung etwas länger, aber landschaftlich absolut lohnend.
Vereda dos Balcões (PR11)
Die perfekte Wanderung für Einsteiger, Familien oder für einen entspannten Nachmittag. Vom Örtchen Ribeiro Frio führt ein kurzer, nahezu ebener Levada-Weg in etwa 30 bis 45 Minuten zu einem „Balkon“-Aussichtspunkt mit weitem Blick über die zentralen Bergketten und Täler der Insel. Unterwegs sieht man häufig zutrauliche Buchfinken. Weil die Strecke so kurz und unkompliziert ist, eignet sie sich hervorragend als erste Wanderung oder als Ergänzung zu einem größeren Ausflug.
Vereda da Ponta de São Lourenço (PR8)
An der äußersten Ostspitze Madeiras zeigt sich die Insel von einer ganz anderen Seite: Statt grünem Wald erwartet dich eine karge, fast marsähnliche Vulkanlandschaft mit dramatischen Steilküsten in Rot-, Ocker- und Brauntönen, umtost vom Atlantik. Der gut ausgebaute Küstenpfad führt über etwa acht Kilometer hin und zurück durch dieses Naturschutzgebiet. Weil es hier so gut wie keinen Schatten gibt, solltest du unbedingt ausreichend Wasser, Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung mitnehmen – bei starkem Wind ist zudem Vorsicht geboten.
Pico do Areeiro zum Pico Ruivo (PR1)
Die Königstour unter Madeiras Wanderungen – und zugleich die anspruchsvollste. Sie verbindet den gut mit dem Auto erreichbaren Pico do Areeiro mit dem Pico Ruivo, der mit 1.862 Metern der höchste Berg der Insel ist. Der schmale Grat führt über unzählige Stufen, durch dunkle Tunnel und an steilen Abhängen entlang, oft hoch über einem Wolkenmeer. Für die rund sieben Kilometer pro Richtung brauchst du gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wer früh am Morgen startet, wird mit klarer Sicht und magischem Licht belohnt.
Wandern rund um Ponta do Sol und die Südküste
Auch direkt an der sonnigen Südküste rund um Ponta do Sol gibt es lohnende Wege – etwa entlang der Levadas oberhalb der terrassierten Zuckerrohrfelder oder auf den alten Verbindungspfaden zwischen den Dörfern, den sogenannten Veredas. Der große Vorteil dieser Region: Während sich das Inselinnere gern in Wolken hüllt, scheint hier besonders häufig die Sonne. Von einer Unterkunft an der Südküste aus erreichst du außerdem viele der großen Wandergebiete bequem mit dem Auto und kannst deine Tour flexibel nach dem Wetter ausrichten.
Praktische Tipps für Levada-Wanderungen
- Feste Wanderschuhe mit gutem Profil – die Pfade können feucht, schlammig und rutschig sein.
- Taschen- oder Stirnlampe für die zahlreichen, teils langen Tunnel.
- Regenjacke und Kleidung im Zwiebellook – Wetter und Temperatur wechseln je nach Höhe und Region rasch.
- Schwindelfreiheit bei manchen Wegen: Einige Levadas verlaufen an ungesicherten Abbruchkanten.
- Wetterbericht und Wegstatus prüfen – nach Regen oder Erdrutschen werden Wege zeitweise gesperrt.
- Ausreichend Wasser, Snacks und Sonnenschutz, besonders auf schattenlosen Routen wie Ponta de São Lourenço.
- Ein Mietwagen erleichtert die Anfahrt zu den oft abgelegenen Startpunkten enorm.
- Früh starten – vormittags ist die Sicht meist klarer und es sind weniger Wanderer unterwegs.
Häufige Fragen zum Wandern auf Madeira
Sind Levada-Wanderungen anstrengend?
Das hängt stark vom gewählten Weg ab. Viele Levada-Wege verlaufen nahezu eben und sind auch für ungeübte Wanderer gut zu bewältigen. Bergtouren wie der Übergang vom Pico do Areeiro zum Pico Ruivo verlangen dagegen gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Braucht man einen Wanderführer?
Für die gut markierten Klassiker ist ein Guide nicht zwingend nötig. Bei anspruchsvollen Bergtouren, unsicherer Wetterlage oder wenn du dich in fremdem Gelände sicherer fühlen möchtest, ist eine geführte Wanderung aber eine sinnvolle und oft sehr bereichernde Wahl.
Wann ist die beste Jahreszeit zum Wandern?
Grundsätzlich kann man auf Madeira das ganze Jahr über wandern. Der Sommer ist trockener, der Winter grüner und oft ebenfalls mild. Die Südküste rund um Ponta do Sol ist ganzjährig besonders sonnig und eignet sich damit auch in den kühleren Monaten gut als Ausgangspunkt.
Sind die Wanderungen für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, viele sogar sehr gut. Leichte, flache Wege wie die Vereda dos Balcões oder kurze Levada-Abschnitte lassen sich bestens mit Kindern gehen. Anspruchsvolle Grat- und Höhentouren sind für kleine Kinder dagegen nicht geeignet.
Deine Basis für Wanderungen: die Villa Dia Dourado
Ein Ferienhaus an der sonnigen Südküste ist der ideale Ausgangspunkt für deine Wandertouren auf Madeira. Von der Villa Dia Dourado in Ponta do Sol aus erreichst du viele der schönsten Wandergebiete bequem mit dem Auto – und kannst abends mit Meerblick und beheiztem Salzwasserpool entspannt die müden Wanderbeine ausruhen.


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